MOGO 2017 - Impuls zum Thema „Balance“:

„Balance“ – da findet man bei Wikipedia keine große Abhandlung, sondern nur ein einfaches Wort zur Erklärung: Gleichgewicht. Und unzählige Anwendungen: Kochrezepte, Schwangerschaftsberatung, Kosmetikstudios, Fitnessstudios, einen Fahrradladen in Bochum, ein Yogazentrum mit Ablegern in Darmstadt, Frankfurt und Mainz. Eins ist allen genannten offensichtlich wichtig: Die Balance, das Gleichgewicht. Die Balance verlieren – das ist in der Regel eine negative Erfahrung. Dazu zwei Beispiele: Als ich in unserem damals neuen Domizil rückwärts mit meiner BMW rangierte, kippte sie langsam nach rechts und ein Zaunpfahl bohrte sich behutsam in die Verkleidung. Shit happens! Oben auf dem Timmelsjoch saßen meine Frau und ich und beobachteten einen Biker, der sich bergab abstützen wollte. Aber sein Bein war einfach zu kurz und wir konnten aus der Ferne nur hilflos zusehen und mitleiden, wie er sich auf die Seite legte!
Wir versuchen beim Motorradfahren, die Balance zu halten und sie nicht zu verlieren. Und wer meint, dass Quadfahrer es hier einfacher haben, weil sie ja mit vier Rädern unterwegs sind, der hat sich aber kräftig getäuscht. Da ist mitunter erheblich mehr Körpereinsatz und Reaktionsvermögen gefragt!
Im Duden findet sich eine übertragene Bedeutung zum Thema, nämlich der Spruch: „Der Vorfall hat ihn aus der Balance gebracht“. Sein inneres Gleichgewicht ist verloren gegangen. Von solchen Leuten ist auch in der Bibel die Rede  - und einen davon möchte ich euch jetzt mal vorstellen:
Er heißt Simon, besser bekannt als Petrus und gehört zum engsten Freundeskreis von Jesus. Ein Mann voller Leben. Fischer von Beruf. Einer, der zupacken kann. Der keine Scheu vor Wasser, Wind und Wellen hat. Der eigentlich gut nach Norddeutschland passen würde – wenn auch nicht so typisch, dass man ihn mit ‘nem Flensburger inner Hand döspaddlige Sprüche kloppen lässt. Eher einer, der begeisterungsfähig ist. Der sofort dabei ist, wenn es was zu wagen gibt. Der kein Risiko scheut. Der sich auch mal selbst überschätzt. Und der dabei die Balance verliert - und buchstäblich baden geht. Ich lese uns mal so eine typische Geschichte von Petrus vor: Matthäus 14, 22-33 nach „Die VOLX-BIBEL“.
Petrus ist so ein richtiger Draufgänger. Einfach drauf losgehen. Das gefällt mir an ihm. Da sitzen noch mindestens 11 weitere Kollegen im Boot, aber nur Petrus hat diese verrückte Idee. Er hätte auch – wie die anderen – sitzen bleiben und zittern können. Aber er will’s gleich richtig wissen: „Jesus, bist du’s wirklich? Dann sag mir, dass ich jetzt zu dir aufs Wasser kommen soll.“ Petrus geht ein Wagnis ein. Er riskiert was. Er probiert was aus. Und er verliert dabei das Gleichgewicht: „Hilfe, Jesus, ich ertrinke!“ schrie er und ging unter. Ich habe das Gefühl, dass Jesus ihn ein bisschen zappeln lässt. Er testet mal, wie es bei Petrus um sein Vertrauen bestellt ist. Für Petrus wird dieser Ausflug aufs und ins Wasser zur Glaubenserfahrung. Jesus packt seine Hand und zieht ihn aus dem Wasser. „Hast du so wenig Vertrauen, Petrus? Ich hab’s dir doch gezeigt. Mir kannst du echt vertrauen!“ Am Ende sind sogar alle im Boot überzeugt: „Ganz sicher, du bist wirklich Gottes Sohn!“
Für mich ist diese Geschichte auch ein Bild fürs Leben geworden. Man kann zitternd im Boot seines Lebens sitzen bleiben und dort um seine Balance kämpfen. Reagieren. Immer alles vorsichtig ausbalancieren und hoffen, dass man nicht umkippt. Sturm, Wind und Wellen gibt es im Leben genug und manch einer von uns hat gerade jetzt und heute damit zu kämpfen. Mit einem tragischen Verlust. Mit einer harten gesundheitlichen Diagnose. Mit einer weitreichenden Entscheidung, die so oder so Nachteile mit sich bringt. Warum steigst du nicht einfach mal aus deinem Boot? Reagierst nicht nur, sondern agierst. Packst das Leben bei den Hörnern! Ich glaube, dass eher solche Petrus-Typen entscheidende Erfahrungen mit Gott machen, als die Bootshocker, die nichts wagen. Dass Petrus dabei untergeht und Wasser schluckt, macht nichts. Das gehört dazu. Am Ende ist er um eine wichtige Erfahrung und Erkenntnis reicher: Für ihn ist Jesus der Sohn Gottes. Da gibt’s keine Zweifel. Auch wenn Petrus in seinem Leben immer wieder mit der Balance kämpft - und sie auch immer wieder mal verliert. Jesus wird zur Basis in seinem Leben. Ihm kann er vertrauen. Nicht nur auf dem Wasser, sondern auch in den Stürmen seines Lebens. Und genau dazu lädt uns diese Geschichte ein: Nämlich Jesus zu vertrauen! Ihm unser Leben anzuvertrauen. Das kannst auch du machen. In diesem Moment. Oder bei einem Gespräch mit einer unser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bleib‘ nicht um Boot sitzen! Nutze deine Chance! Eine bessere Erfahrung kann ich mir nicht vorstellen.

© Frank Reineck 2017